GESCHICHTE

Walther Blohm: ein schöpferischer Unternehmer, ein Mensch, den gradlinige Sachlichkeit ebenso kennzeichnete wie mitmenschliche Fürsorge, ein mutiger Mann, der mit wachem Interesse neue Wege beschritt. Ein Geschäftsmann, den Rückschritte nicht in die Knie zwangen. Statt dessen ließen sie seine Zähigkeit und Beharrlichkeit wachsen. Mehr als vier Jahrzehnte hat Walther Blohm die Werft Blohm & Voss als persönlich haftender Gesellschafter geleitet. Aufbau und Wiederaufbau kennzeichnen sein berufliches Werk. 

Er übernahm nach einer Maschinenbauerlehre und Ingenieurstudium an den Technischen Universitäten München und Berlin im Jahre 1918 die Leitung der Werft Blohm & Voss, gemeinsam mit seinem Bruder Rudolf. 31-jährig, bewährte sich Walther Blohm als Werftchef und übernahm das väterliche Erbe in einer Zeit technischer Umwälzungen.

Es galt, Entscheidungen mit hohem Risiko zu treffen, neuartige Antriebsanlagen für Passagierschiffe zu entwickeln und unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit zu bauen. Die Krise im Schiffbau veranlasste Walther Blohm, sich im Herbst 1932 intensiv mit den Zukunftsmöglichkeiten des Luftverkehrs zu befassen.

„Volare necesse est“

Blohm und Voss baute für das Passagierschiff "Europa" ein Heinkel-Schwenk-Katapult auf das Schornsteindeck. Zwei JU 46 lösten später die auf den Schiffen verwendeten Heinkel-Flugzeuge ab. Jeweils 1200 km vor der amerikanischen oder europäischen Küste wurden diese Flugzeuge von Bord der Passagierschiffe katapultiert und erbrachten damit einen Zeitgewinn von mindestens einem Tag.

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Für Walther Blohm war der Trend unübersehbar: Der Überseeluftverkehr war im Kommen. Er nahm gezielt Kontakt mit Luftfahrtexperten auf und gründete 1933 im Rahmen von Blohm und Voss die „Hamburger Flugzeugbau GmbH“.

Zunächst wurde in Hamburg am Steinwerder Ufer eine Attrappe für einen zweisitzigen Doppeldecker gebaut; die Schulmaschine vom Typ HA 135 folgte, und bereits am 28.4.1934 hatte die erste fertige Maschine ihr „Roll-Out“ in Fuhlsbüttel.

Im gleichen Jahr gelang es ihm mit Hilfe von Dr. Ing. Richard Vogt ein Ganzmetall-Flugzeug zu konstruieren, das als charakteristisches Merkmal den „Rohrholm-Flügel“ besaß, der gleichzeitig als Treibstoffzelle genutzt werden konnte. So entstand die HA 136 B. Es folgten das Flugboot HA 138, ein dreimotoriges Aufklärungsflugzeug, genannt „fliegender Holzschuh“.

Aufgrund einer Ausschreibung der Lufthansa wurde die HA139 als viermotoriges Schwimmerflugzeug gebaut sowie zwei Schwesterflugzeuge hierzu.

Da die Lufthansa keine Konzession zur regelmäßigen Postbeförderung von der US-Regierung erhielt, wurde mit ihnen der Postflugverkehr nach Südamerika eröffnet. Für eine Zwischenlandung zur Betankung wurde das Versorgungsschiff "Kranich" im Südatlantik positioniert, von welchem die HA 139 nach Betankung per Katapultstart den Weiterflug durchführte.

Für den Passagierverkehr nach New York war die BV 122 konzipiert. Sie wurde schon in dem seit 1937 gebauten Werk in Finkenwerder entworfen und gebaut. Für den Transatlantikverkehr kam sie zwar nicht mehr zum Einsatz, aber im Krieg hat sie sich für die Truppentransporte nach Nordnorwegen und Afrika sehr bewährt. Ein noch größeres Flugzeug, damals mit 95 t das größte der Welt, die BV 238, konnte gegen Ende des Krieges nur noch seine ersten Probeflüge absolvieren.

Nach 10-jähriger Pause, in der das Werk in Finkenwerder der englischen Armee als Reparaturwerkstatt für Panzer diente, begann unter Walther Blohms Führung der Neuanfang. Die Hamburger Flugzeugbau GmbH gründete mit der Firma Weserflug Flugzeugbau (später VFW) und Siebel ATG die Flugzeugbau Nord GmbH, die vom Verteidigungsministerium mit dem Lizenzbau des französischen Transporters „Noratlas“ beauftragt wurde. HFB war für den Rumpfbau, die Endmontage und den Einflug verantwortlich. In Finkenwerder wurde hierfür eine Startbahn von 1.360 m Länge gebaut (sie ist inzwischen auf 2321 m erweitert). Die Werksanlagen wurden zügig ausgebaut und weitere, für den Flugzeugbau geeignete Hallen in Stade angemietet.

Es folgte in Arbeitsgemeinschaft mit „Weserflug“ und der französischen „Nordaviation“ die Entwicklung und der Bau der Transall, die noch heute das Rückgrat der Transportkapazität der deutschen Luftwaffe darstellt.

    

Mit seiner leistungsfähigen Konstruktionsmannschaft entwickelte HFB Anfang der 60er Jahre das Geschäftsreiseflugzeug „Hansa Jet“ HFB 320. Kurz vor dem Erstflug verstarb Walther Blohm am 13.07.1963. Durch dieses Flugzeug sammelten die HFB-Mitarbeiter in den kommenden Jahren umfangreiches Erfahrungsgut, ohne welches später der deutsche Anteil am Airbus nicht so kompetent hätte durchgeführt werden können.

(Auszug aus der Festrede von Hartmut Mehdorn zum 100. Geburtstag von Walther Blohm am 25. Juli 1987)

Meilensteine der Entwicklung in den folgenden Jahren:

-          1967      Gründung der Deutschen Airbus GmbH in München

-          1969      Fusion der Hamburger Flugzeugbau GmbH mit Messerschmitt-Bölkow zu MBB

-          1972      Erstflug der A300

-          1978      Programmstart A310

-          1980      VFW in MBB eingegliedert, der 100. Airbus wird ausgeliefert

-          1982      Erstflug A310

-          1987      Erstflug A320

-          1989      Übernahme von MBB durch die Daimler-Benz AG. Gründung Deutsche Airbus

-          1991      Erstflug A340

-          1992      Erstflug A330

-          1993      Erstflug A321, Erstflug des Frachters A300-600F

-          1994      Erstflug des Super-Guppy-Nachfolgers „Beluga“

-          18.Mai 1999 Auslieferung des 2000. Airbus-Flugzeuges in Toulouse

 

1  1964 wurde nach dem Tod Walther Blohms von seiner Frau und seinen Kindern die Walther-Blohm-Stiftung gegründet. Sie fördert unter anderem durch Vergabe von Preisen und Stipendien den begabten Nachwuchs der Luft- und Raumfahrttechnik. Zugleich hat es sich die Walther-Blohm-Stiftung zur Aufgabe gemacht, besondere Leistungen des Ingenieurnachwuchses auf dem Gebiet der industriellen Technik zu würdigen 

 

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